Scheunenfund

Oldtimer Scheunenfund – vergessen und wiederentdeckt

Vergessen und leise vor sich hingammelnd, so lässt sich ein Scheunenfund am besten beschreiben. Es stehen noch immer erstaunlich viele historische Fahrzeuge in Garagen oder Stadeln und fristen dort oftmals über Jahrzehnte unbeachtet ihr Dasein. Die Autos und Traktoren wurden aus diversen Gründen abgestellt, typische Beispiele sind der Verlust des Führerscheins, Familienzuwachs, der ein größeres Auto erforderte, Geldmangel oder bei Landmaschinen die Notwendigkeit eines moderneren Geräts. So mancher Oldtimer taucht erst beim Tod des Eigentümers wieder auf oder wenn der Verkauf eines Grundstücks eine Räumung der Scheune/Garage erfordert.

Scheunenfund und das Gammelmodell auf der Wiese

Auch wenn der Fund historischer Fahrzeuge allgemein als Scheunenfund bezeichnet wird, besteht zwischen dem echten Scheunenfund und dem epochalen Fahrzeug auf dem Acker ein nicht zu unterschätzender Unterschied. Scheunenfunde zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich in der Regel noch in einem erträglichen, restaurierungsfähigen Zustand befinden. Geschützt von einem Dach, bestenfalls in einem gut durchlüfteten Umfeld und/oder mit Stroh bedeckt, stehen sie trocken, sodass Rost das Metall kaum angreift. Im Gegensatz dazu müssen Vehikel in freier Natur ungeschützt Wind und Wetter standhalten und hauchen dabei fast immer ihr technisches Leben aus. Inwieweit sich der Oldtimer aus der Scheune restaurieren lässt, hängt jedoch auch dort von den Daseinsbedingungen ab. Im Idealfall gibt es im Inneren des Wagens keinen Schimmel und kaum Korrosionsschäden am Tank, den Leitungen und am Vergaser, so mancher Scheunenfund ließ sich mit einer neuen Batterie sogar direkt wieder starten.

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Ein ganz besonderer Scheunenfund – der Bugatti 57 SC Atalante

In England tauchte 2007 ein 72 Jahre alter Bugatti 57 SC Atalante (Chassis-Nr. 57502), auf. Das wunderschöne Fahrzeug in dem für sein Alter hervorragenden Zustand gehört 1937 dem fünften Earl of Howe, einem Auto- und Rennsportfanatiker. Als der Krieg begann, wurde seine Lordschaft zu den Waffen gerufen und stellte den Wagen ab. Nach seiner Rückkehr verkaufte Howe 1947 das Auto, die beiden auf den Earl folgenden Besitzer fuhren den Bugatti jedoch kaum. Der letzte Eigentümer, Dr. Carr, verbannte diesen Traum in die Garage, der Bugatti geriet damit für die nächsten 60 Jahre in Vergessenheit. Carr starb 2007, seine Familie entdeckte den wunderschönen, gut erhaltenen Oldtimer und verkaufte ihn auf einer Auktion in Paris. Der 57 SC Atalante befand sich noch im selben Zustand wie ihn Howe orderte und gehört damit zu den wirklich ganz, ganz seltenen Glücksfunden. Dass die Familie von Carr für das Fahrzeug einen guten Preis erzielte, dürfte klar sein, Bugatti baute insgesamt vom 57 SC Atalante nur 17 Stück.

Der Traum eines jeden Oldtimerfans – das Schnauferl

Fahrzeuge, die je nach Definition älter als 20, 25 oder 30 Jahre sind, zählen zu den Oldtimern. Der Begriff Schnauferl, der in der Vergangenheit für die epochalen Fahrzeuge üblich war, bezieht sich auf Modelle, die aus der Zeit um 1900 stammen. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme ist der Ausdruck Schnauferl jedoch keine Verniedlichung, sondern hängt mit dem Geräusch zusammen, das die sogenannten Schnüffelventile der alten Viertakter von sich gaben. Bei dieser heute etwas anachronistisch anmutenden Technik wird das Einlassventil nicht von einer Nockenwelle gesteuert, sondern von einer Mechanik. Die Öffnung des Ventils erfolgt mithilfe des Unterdrucks, der im Brennraum des Ansaugtrakts entsteht, geschlossen wird das Schnüffelventil über eine Feder. Typische Vertreter des Schnauferls, die noch gefahren werden, sind beispielsweise die Tin Lizzie (Ford T) von 1915, Bugatti Typ 15 von 1913, Delage von 1908 oder Renault AG Double Phaeton von 1908. Ein Schnauferl zu finden, das sich wieder herrichten lässt, stellt natürlich den Traum eines jeden Oldtimerliebhabers dar, doch solche extrem wertvollen Fahrzeuge zählen selbst unter den Scheunenfunden zu den ganz seltenen Glücksfällen.

Der „normale“ Scheunenfund

Die meisten Funde stammen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit oder später und waren ganz normale Alltagsfahrzeuge, was ihren historischen Charme jedoch nicht schmälert. Im Laufe der Jahre verschwanden diese damals zeitgenössischen Modelle mit ihrer oftmals sehr geringer Laufleistung von den Straßen, der Verkauf lohnte sich nicht mehr, der Wagen geriet in Vergessenheit. Stand der Oldtimer in einer geschützten Umgebung, rentiert sich normalerweise die Aufarbeitung in jedem Fall, bei Ackerfunden bleibt leider meistens nur noch die Schrottpresse. Grundsätzlich ist bei den epochalen Schätzchen der Austausch der Dichtungen nötig, Bremszylinder und Ähnliches sind inzwischen festgebacken, auch Rost hat die Karosserie zumindest in Grenzen angegriffen. Zu einem Problem kann sich bei sehr alten Autos und Exoten die Ersatzteillage entwickeln. Hier benötigt der Oldtimerfan nicht nur Fantasie, sondern auch viel Know-how über historische Technik, um eine Lösung zu finden. Dennoch macht das Restaurieren eines alten Fahrzeuges Spaß, das Gefühl mit einem ganz besonderen Oldtimer übers Land zu fahren lässt sich mit nichts vergleiche.