Fiat 1300 Restauration

Die Restauration eines Oldtimers von Grund auf – hier eines Fiat 1300 – ist ein Abenteuer, das sicherlich jeden Enthusiasten in seinen Bann zieht.

1989

Alles begann in Camogli, Ligurien/Italien, bei einem auf Lancia Fulvia spezialisierten Lancia-Händler. Nur ca. 35.000 km hatte der Fiat damals auf dem Tacho und sehr wahrscheinlich entsprach dies der tatsächlichen Fahrleistung. Der Kauf aus erster Hand stellte den Startpunkt für das Restaurationsabenteuer dar.

Im Handschuhfach fanden sich noch einige originale Unterlagen und persönliche Gegenstände, interessante Spuren in die bisherige Vergangenheit des Wagens, die auch wage Rückschlüsse auf seinen bisherigen Besitzer „Luigi“ zuließen. Luigi war offensichtlich ein Freund edler Details, dies deutet die in Leder gefasste Parkscheibe an.

1990

Der Fiat wurde zunächst in München zugelassen und erhielt gelbe Blinker, die originalen weißen Blinker waren seinerzeit in Deutschland nicht zulässig und mussten ausgetauscht werden, heute wäre dies nicht mehr von Nöten. Eine Warnblinkanlage wurde ebenfalls nachgerüstet.

1991

Ganze 15 Jahre überdauerte der Wagen in einer beheizten Halle auf der Schwäbischen Alb. Die Gründe für diese lange Phase des Stillstands lassen sich im Nachhinein nur schwer fassen. Wie es manchmal im Leben so ist, fehlte die Initialzündung, die passende Kombination aus Zeit und der notwendigen Inspiration für eine Restauration dieses Ausmaßes.

2006

Fast vergessen, sollte der Fiat unerwartet und von jetzt auf gleich entsorgt werden. Er war bereits aus seinem sicheren Unterschlupf, der Lagerhalle, unter freien Himmel verbracht und von jetzt auf gleich allen wetterbedingten Einflüssen ausgesetzt worden. Die Rettung ging zwar schnell vor sich, der Wagen verschwand aber wiederum für einige Jahre – diesmal in der Eifel. Der richtige Zeitpunkt für seine Restauration war immer noch nicht gekommen.

Juli 2012

Die erste Stunde der Restauration war gekommen. Die Firma Alfa-Michel – spezialisiert auf italienische Oldtimer – nahm sich des Fiats an. Seine Technik wurde behutsame mit Originalteilen aus Italien und von einigen deutschen Händlern erneuert. Leider waren über die Jahre alle Wagenschlüssel verloren gegangen und so musste das Tankschloss aufgebohrt werden. Über eBay Italien fand sich Ersatz für Türschloss, Zündschloss und Kofferraumschloss – in Zeiten ohne Internet wäre die Suche um ein Vielfaches beschwerlicher, wenn nicht vergeblich gewesen.

Eine Revision von Grund auf bedeutete, dass folgende Teile erneuert wurden:

  • Stoßdämpfer
  • Bremsen, Bremszylinder, Kupplungszylinder
  • Alle Schläuche wie Bremsschläuche und Wasserschläuche
  • Kugelköpfe
  • Auspuff
  • Reifen
  • Windschutzscheibe – ging während der Lagerung zu Bruch
  • Zündschloss, Kofferraumschloss
  • Wasserpumpe, Benzinpumpe
  • Alle Flüssigkeiten

Größter Wert wurde darauf gelegt, die Originalsubstanz des Fiats so weit wie eben möglich zu erhalten. Der Fiat wies eine hervorragende Blechsubstanz auf. Der Lack trägt die Spuren der Jahre und die Karosserie weist die eine oder andere Delle auf. Diese Spuren der Vergangenheit wurden ganz bewusst erhalten, wodurch den Wagen eine ganz besondere Aura umgibt.

Oktober 2012

Es ist vollbracht. Nur zwei Tage nach seiner Fertigstellung nimmt der Fiat bei einer von der Firma Alfa-Michel veranstalteten Ausfahrt durch die Eifel und die Ardennen teil – ohne jedwede Komplikation. Bei dieser Ausfahrt gingen die Gedanken zurück nach Italien, in eine Zeit, in der dieser Fiat in anderen Händen und anderen Zusammenhängen seine Reise begonnen hatte. Leider kann er von seiner ersten Zeit nichts berichten und doch spürt man seine italienische Seele voll und ganz.

November 2012

Der original erhaltene Erstlack wurde professionell aufbereitet. Das Ergebnis ist gerade deshalb so zufriedenstellend, weil der morbide Charme des von den Spuren der Zeit gezeichneten Erstlacks erhalten, die Altsubstanz aber dennoch nachhaltig gepflegt wurde. Keine noch so gute Vollrestauration des Lacks könnte mit der Wirkung dieser Patina konkurrieren.

Passend dazu heißt es in der Motor Klassik 3/2013 (Artikel „Stark patinierter Lancia für 600000 Euro – Gooding Auktion, Scottsdale Fashion Square, Arizona, am 18. Und 19. Januar 2013“): „Unberührte Originale stehen hoch im Kurs, selbst wenn es sich um Restaurierungsobjekte handelt. Gehört dann noch eine nachvollziehbare Historie dazu, steigt die Kauflust. So geschehen bei einem stark patinierten, seit 50 Jahren eingelagerten Lancia Aurelia B24 S Spider America …“.

1965 Fiat 1100 Servizio Corse Abarth

Verkauft am 9. August, Coys, Nürburgring für 11.000 EUR